
Ein auf das Mittelmeer blickendes Feuer aus Farben
Würde ein Maler die Regionen Süditaliens abbilden wollen, wäre seine Farbpalette schier endlos: unzählige Blautöne für Himmel und Meer; Orange- und kräftige Rottöne für Sonnenauf- und Untergänge; Weiß-, Grau- und Gelbtöne für die Felsen, Klippen und Sandstrände; unendlich viele Grüntöne für Felder, Berge und Wälder. In dieser Landschaft liegen ein wenig verborgen und vergessen kleine und große Seen, die es zu entdecken gilt.
Die Seen des Südens und der Inseln
Die großen Touristenströme aus aller Welt scheinen einen geheimen Schatz noch nicht entdeckt zu haben: verborgen in einem wunderschönen Landstrich am Mittelmeer gelegen - das ist Süditalien mit seinen großen und kleinen Inseln. Die kleinen und großen Seen des Südens sind ein Kaleidoskop an Landschaften, Naturschauspielen und Geschichte, die nur darauf warten, entdeckt und geliebt zu werden.
Die Seen des Südens und der Inseln sind natürlich in ihrer Größe nicht vergleichbar mit den großen Wasserflächen der Alpen und Voralpen, fallen jedoch häufig durch interessante Aspekte auf. So finden sich beispielsweise in Apulien die beiden Seen Lesina und Varano, nahe am Gargano, deren Ufer mit der Küste verwechselt werden könnten und die mit dem Meer eine Art Symbiose eingegangen sind. Sie enthalten nämlich Brackwasser, da sie, durch ein faszinierendes Ökosystem bildende Kanäle, mit dem Adriatischen Meer verbunden sind. Varano ist der siebtgrößte italienische Natursee und wie Lesina nur durch einen dünnen aus Strand und Pinienwäldern bestehenden Küstenstreifen vom Meer getrennt. Hinter den Seen beginnen dichte Wälder, die bis auf die Berghänge hinauf führen, welche bereits nach kurzer Strecke 1000 Höhenmeter erreichen. Lesina ist für seinen Fischreichtum bekannt und vielleicht ist dies auch der Grund, warum sich hier in der Antike so gut eine Zivilisation entwickeln konnte. Beleg dafür sind die zahlreichen archäologischen Funde mit Resten von Behausungen und Gerätschaften aus Stein, Ton und Metall. Geschichte, Urgeschichte, Legenden und Mythen: häufig sind die süditalienischen Gebiete in diese geheimnisvolle Aura gehüllt, die jeden Winkel scheinbar zeitloser Orte erfüllt.
Archäologie und Phantasien der Mythologie sind miteinander verflochten und erzählen auf ungewöhnliche Weise von äußerst beeindruckenden Orten.
So gibt es beispielsweise den kleinen See Averno in Kampanien bei Cuma, wenige Kilometer vor Neapel. Die alten Bewohner dieser Gegend waren davon überzeugt, dass es sich um einen Zufluchtsort für Riesen handeln müsste, enorme Monstren, die der Mythologie zufolge aus Gea (Erde) und Uranos (Himmel) stammten. Der See wurde auch als Zutritt zur Unterwelt und als Sitz des Volkes der Cimmeri, Höhlenbewohner, die vor dem Sonnenlicht flohen, angesehen. Vermutlich haben die Bewohner auch wegen diesen obskuren Verbindungen mit der unbekannten Unterwelt angenommen, der See besäße keinen Boden. Diese seltsamen Geschichten finden ihre Berechtigung in der Entstehung des Sees, wie sie die Geologen erforscht haben: der See befindet sich in einem Vulkankrater, der sich vor "nur" 4000 Jahren nach einer gewaltigen Eruption und radikalen Veränderung des Territoriums gebildet hat. Damit nicht genug: 1538 brachte ein anderes geologisches Phänomen eine weitere Erhebung hervor, Monte Nuovo, die nun den See Avemo vom See Lucrino trennt, einer alten Lagune, die heute ein Landstrich vom Golf von Pozzuoli trennt.
Aber nicht um alle Seen des Südens ranken sich geheimnisvolle Legenden. Zumeist freut man sich einfach nur an der bezaubernden Schönheit, in die diese Seen eingebettet sind. Dies ist beispielsweise bei einem weiteren kleinen See in Kampanien der Fall, dem See vom Matese, der auf über 1000 Höhenmeter in einer herrlichen Apenninenlandschaft nahe der Region Molise liegt. Weiter südlich bei den beiden Seen von Monticchio bei Melfi in der Basilicata findet man zwei glitzernde, in das intensive Grün des Monte Vulture, einen der ältesten Vulkane der südlichen Apenninen, eingebettete Edelsteine. In den Seen gedeihen Seerosen und an den Ufern wächst der Besenginster (Cytisus scoparius) mit seinen charakteristischen gelben Blüten, sowie die Italienische Erle (AInus cordata) mit ihrer kegelförmigen Frucht, während die umliegenden Hänge mit dichten Kastanienwäldern bewachsen sind. In der Basilikata liegt auch, nahe Lauria, zu Füßen des Monte Sirino der durch einen Gletscher entstandene See Laudemio, ein für eine derart südliche Lage bemerkenswertes Phänomen. Erwähnenswert sind auch die zwischen den Bergen und Wäldern der Sila gelegenen Seen in Kalabrien: Arvo, Ampollino, Cecita, alle drei Kunstseen aber deshalb nicht weniger schön. Diesen Rundflug über die Seen Süditaliens beenden wir mit einem kleinen sizilianischen See, einem der wenigen natürlichen Gewässer der Insel: der See von Pergusa, ca. 10 km von Enna entfernt, in der Mitte Siziliens. Der Legende zufolge hat hier zwischen Eukalyptus und Tannen Pluto, der Gott des Jenseits, Proserpina entführt.
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