
Eine Welt der Gewässer, einen Windhauch vom Himmel entfernt
Dieser Winkel Norditaliens, zwischen Piemont und Lombardei, ist eine Welt der Gewässer, in der sich zwei suggestive und geschichtsträchtige Seen ausdehnen. Der Lago Maggiore und dicht daneben der Lago d'Orta: eine Landschaft mit unendlichen Farbvariationen, die in einer märchenhaften Dimension alter Geschichten und Legenden, die Stunden und Jahreszeiten zeichnen und die heute durch ihre ausgeprägte Gastfreundschaft charakterisier ist.
Im Piemont liegt, sich nach Westen entwickelnd, die blaue schimmernde Fläche des Lago di Viverone.
Lago Maggiore
Italien besitzt zahlreiche Seen, aber nur einer ist der Maggiore. Das wussten bereits die grossen Reisenden der
vergangenen Jahrhunderte zu gut: einer von ihnen, der Kosmopolit Samuel Butler,nannte ihn „der schönste aller
Seen“ während Stendhal ihn mit dem Golf von Neapel verglich. In der Tat bietet der Verbano (so der andere Name
des Lago Maggiore) den Augen des Besuchers ein emotionsreiches Triptychon aus Farben und Natur:der blaue Wasserspiegel, die intensiv grünen Hügel, der dunkle Fleck der Gebirge. Eine Palette an sichverschmelzenden Farbtönen, umgeben von einer ununterbrochenen Sequenz von pittoresken Städtchen und
Siedlungen, die auf die kleine und einzigartige Inselgruppe inmitten der Wasserfläche schauen.
Teils im Piemont, teils in der Lombardei, erstreckt sich der See Richtung Norden bis ins Tessin (Schweiz).
Der Lago Maggiore liegt im Herzen des italienischen Nordwestens, einem Gebiet, das über administrative Grenzen hinweg eine größtenteils gemeinsame kulturelle Einheit bildet. Der Ursprung dieser Gemeinsamkeit liegt in der
Geschichte: der See stellte beidseitig seit dem Mittelalter den Ursprung der Adelsfamilie Borromeo dar, und nochheute zeugen auf der Insel die prächtigen Gebäude, die üppigen italienischen Gärten und die beeindruckende Festung in Angera von dieser fruchtbaren Epoche. Neben dem antiken Besitz dieser Herren des Sees. stellt der "blaue Faden" des in der Schweiz in den See mündenden und in Sesto Calende zum Po fließenden Ticino ein weiteres verbindendes Element dar. Von beiden Ufern strömen unendlich viele, die Hügel und Tallandschaften charakterisierende Bäche und Wasserläufe, in den See. Die Landschaft ist vielseitig: steiler im Norden, weitet sie sich am Golf vor Stresa und Verbania in eine verblüffende Vielfältigkeit von Vegetation und Architektur. Das angenehme Klima und die Schaffenskraft des Menschen trugen ihr übriges zur Gestaltung der Landschaft bei. Weiter südlich flachen die Hügel allmählich zum Ufer hin ab, wo sich die Mündungen der Wasserläufe mit Sandstränden und
Felswänden abwechseln. Fährt man im Boot zur Seemitte, kann man das Schauspiel der mediterranen Flora, das in einer in diesen Breitengraden einzigartigen Mischung an den Berghängen in Laub- und Nadelwälder übergeht, in ganzer Größe genießen (Info für Bootsfahrten: Tel. 0039 0322 233200).
Die Beschreibung des piemonteser Ufers beginnt bei Arona, einem Städtchen mit dem größten Hafen des Sees, dasheute noch deutlich durch das Erbe der Familie Borromeo gezeichnet ist. Das Zentrum wird durch eine 23,40 m hohe
Statue von Carlo Borromeo aus Kupfer und Bronze beherrscht. Die Statue kann von innen bis zum Kopf bestiegen werden und aus den "Augenfenstem" hat man einen phantastischen Blick auf den See. Weiter Richtung Norden
erreicht man Meina, einen kleinen, antiken Ort, dem sich eine scheinbar endlose Reihe von Villen und Parks anschließt, und Lesa, ein im 19. Jahrhundert von dem Staatsmann Camillo Cavour und dem Dichter und Schriftsteller
Alessandro Manzoni bevorzugter Ferienort. Letzterer war ein wahrer Liebhaber des Lago Maggiore und bewohnte am
Hauptplatz der Ortschaft die neoklassische Villa Stampa. In Belgirate, zwischen See und abschüssigem Hügel gelegen, liegt der Golf von Borromeo, der seinen Höhepunkt in dem international bekannteren Stresa findet.
Die Strandpromenade des Städtchens ist von Palmenreihen, blühenden Gärten und majestätischen Hotelfassaden gesäumt. Blickt man dann auf den See, so sieht man die Borromäischen Inseln (Isola Bella, Isola Madre und Isola die
Pescatori), die wie durch einen Zauber aus dem Wasser emporragen. Dieser Anblick macht verständlich, warum Stresa bereits in den ersten Jahrzehnten des 19 Jahrhunderts so berühmt geworden ist, als seine Schönheiten von den Reisenden der italienischen Grand Tour gepriesen wurden. Der Ruhm wuchs Mitte des 20. Jahrhunderts noch weiter: hier verbrachten die Vanderbilts und RockfeIlers, Persönlichkeiten der Kultur- und Literaturwelt, wie Gabriele
D' Annunzio, George Bernard Shaw, Ernest Hemingway und lohn Steinbeck, Schauspieler wie Clarke Gable und David Niven ihren Urlaub. Das "Dolce Vita" von Stresa fand in den Salons der Hotels, auf der Seepromenade und
in den anmutigen und hübschen Orten des Hinterlands auf den Hängen des Monte Mottarone statt (wo man heute den Giardino Botanico Alpinia und das kuriose Regenschirmmuseum besuchen sollte, beides in Gignese gelegen).
Zeichen einer prachtvollen Epoche sind heute die Settimane Musicali (Musikwochen, ein bedeutendes Festival für Kammermusik und Symphonien, das jeden Sommer unter Teilnahme dutzender Orchester und Ensembles aus aller Welt stattfindet). Etwas weiter erreicht man Baveno, wo der bedeutende romanische Komplex aus der Kirche Santi Gervaso e Protaso und der achteckigen Taufkapelle steht. In Verbania (eine aus den vier Ansiedlungen Pallanza, Fondotoce, Suna und Intra entstandene Stadt) ist der Besuch des Parks der Villa Tatanto Pflicht, in dem sich ein Garten mit über 2000 Pflanzenarten und eine der umfassendsten europäischen Sammlungen exotischer Gattungen befindet (es wird empfohlen, den Garten zur Blütezeit der Tulpen Ende April, Anfang Mai zu besuchen).
Vor der Grenze zur Schweiz erreicht man Cannobio und Cannero, letzteres bekannt für seine Ruinen der Festungsanlagen, die auf zwei kleinen Inseln nahe am Ufer errichtet wurden und der Tradition zwischen Geschichte und Legende nach,im Mittelalter ein Refugium für Piraten darstellten. Auf der lombardischen Uferseite ist das inmitten mediterranen Klimas und Vegetation gelegene Luino der bedeutendste Ort. Sehenswert sind auch Laveno, vom steil
aufsteigenden Berg Sasso di Ferro dominiert, von dem man einen der schönsten Ausblicke auf den See hat, und,etwas weiter, die wunderbare Einsiedelei Santa Caterina dei Sasso aus dem 13. Jahrhundert. Direkt gegenüber von Arona liegt Angera mit der imposanten Festung der Familie Borromeo. Am südlichsten Ende, wo der See wieder in den Fluß mündet, liegt Sesto Calende. Sämtliche Ortschaften am See zeichnen sich selbstverständlich durch eine ausgeprägte Gastfreundschaft aus. Eine Küche voller Kunst und Phantasie: überall kann man traditionelle Gerichte aus dem Piemont und der Lombardei genießen, die hauptsächlich auf von hervorragenden Köchen zubereitetem lokalen Fisch (Barsch und Maräne) basieren.
Lago D´Orta
"Ein delikater kleiner See zu Füßen des Rosa, eine gut in dem ruhigen Wasser gelegene Insel, kokett und einfach […] Die dem Reisenden bekannte Welt findet sich in kleiner Bescheidenheit und Reinheit wieder: die ausgeruhte Seele lädt ein zum Verbleiben und erweckt ungewohnte Ideen [...] das ist der See: Kloster und leben zugleich", Diese Worte von Honore de Balzac sind ein wirkungsvolles Bild eines der romantischsten und traumhaftesten Panoramas in Italien, dem Cusio - oder wie er allgemein genannt wird - dem Lago d'Orta.Ein friedlicher Ort mit Farben, die vor allem im ersten Morgengrauen zu genießen sind: das blaue Wasser, die endlosen braunen und grünen Berge, die graublauen Felsen und die entfernten weißen Gipfel. Einer alten Legende nach war der See vor Zeiten ein Zufluchtsort für Ungeheuer und Schlangen, die nur durch den übernatürlichen Eingriff des heute noch in den Ortschaften am Ufer gepriesenen heiligen Kirchenbauers Giulio vertrieben werden konnten. Von den Gipfeln des den See vom Lago Maggiore trennenden Monte Mottarone aus gesehen, begreift man warum für die Beschreibung der Landschaft des Lago d'Orta oft der Begriff "Miniatur" verwendet wird. In einem wenige Quadratkilometer großen Gebiet liegen hügelige Ebenen und über 1500 m hohe Gipfel, Wälder und Wiesen, Felsen, Mündungen von Wildbächen, kleine Siedlungen und Städte. Mittendrin der See, von dem der Philosoph Nietzsche verzaubert war, als er ihm im Mai 1882 einen Besuch abstattete. Vielleicht konnte nur ein Ort wie dieser die unruhige Seele von Nietzsche begeistern: der Cusio ist ein Schauplatz gegensätzlicher Empfindungen, Gefühle und Überraschungen. Das bekannteste, wenn auch nicht größte Zentrum am Ufer ist Orta San Giulio, eine kleine und faszinierende Ortschaft, deren Architektur die Spuren des Mittelalters, der Renaissance, des Barock und der Neoklassik in sich birgt. Von seinem auf der Spitze eines grünen Vorgebirges liegenden Platz hat man einen Blick auf den gesamten See: dieses "Wohnzimmer" mit Panorama wird durch die Fassaden der alten Gebäude eingerahmt und der Blick schweift in aller Ruhe über die Werkstätten unter den Bogengängen bis zur Insel San Giulio, die mit ihrer romanischen Basilika zwischen Wasser und Himmel zu schweben scheint (Info Bootsfahrten: Tel. 0039 0322 844862). In den engen nach See und alten Träumen duftenden Gassen der Ortschaft kann man sich auf die Suche nach schmiedeeisernen Gegenständen oder kleinen Lokalen machen, in denen typische Gerichte serviert werden.Wer sich nach mehr Ruhe und Meditation sehnt, kann zum im 16. Jahrhundert begonnenen und Franz von Assisi gewidmeten Sacro Monte hinaufgehen. Dieser suggestive Ort steht in einem großen geschützten Park zwischen Buchen, Linden und Pinien. Um die Kirche San Nicolao herum stehen 20 Kapellen, die mit 376 Statuen und großen Fresken das Leben des Heiligen schildern. Apropos "Orte für die Seele": gegenüber von Orta am Westufer des Sees liegt auf einem riesigen Fels die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, ein herrlicher Bau mit reichhaltiger Malerei aus dem 18. Jahrhundert. An den Ufern liegen zahlreiche kleine und große Ortschaften, wie Omegna mit industriellem Charakter und Heimat des bekannten Kinderbuchautors Gianni Rodari, Armeno mit einer schönen romanischen Assunta (Maria Himmelfahrt) gewidmeten Kirche, Pettenasco an der Spitze einer in den See ragenden Halbinsel, sowie Gozzano und die Orte am östlichen Ufer, wie San Maurizio d'Opaglio, Alzo, Pella und Quarna, bekannt für den Bau von Musikinstrumenten. In einem Gebiet das zu den weltweit suggestivsten gehört und das einzigartige Gefühle vermittelt, dürfen natürlich die Gaumenfreuden nicht fehlen. Auch unter diesem Aspekt ist der Lago d'Orta wirklich einzigartig: im Novarese (Süden), woher wertvolle Weine, Reis und Gorgonzolakäse stammen und in den Ossola- Tälern (Norden) mit charakteristischen Salami- und Käsesorten.Die bekannteste Spezialität in den Geschäften im Zentrum von Orta ist die in Form und Geschmack besondere Mortadella. Nicht zu vergessen sind der Käse von den Gebirgsweiden des Mottarone und am See die zahlreichen schmackhaften Fischgerichte.
Lago di Viverone
Im Herzen des Piemont in der Provinz von Biella liegt in einem Gebiet nahe zum Valle d' Aosta der Lago di Viverone.
Dieser See stammt von einem Gletscher aus Urzeiten und liegt in dem beeindruckenden Amphitheater der Serra d'lvrea, dem größten Moränengebiete der Alpen. Der Lago di Viverone ist ein Paradies für Birdwatcher, ein echter natürlicher Schatz, an dessen Ufern im Winter Wasservögel aus ganz Nordeuropa leben (Info Bootsfahrten: Tel. 0039 0161 987077). Hier leben aber auch Geschichte, Tradition und Önogastronomie:
Beweis dafür sind die Reste eines prähistorischen auf Stelzen errichteten Dorfs, einer der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts, und Erbaluce di Caluso, einem wertvollen Wein, den man im Schloss von Roppolo kosten kann. Nahe Ivrea öffnet sich das suggestive Gebiet der fünf kleinen zwischen üppiger Vegetation verborgenen Seen (Sirio, Pistono, Nero, Campagna, San Michele).
Anreise
Der dem Lago Maggiore und Lago d'Orta am nächsten gelegene Flughafen ist Mailand Malpensa. Die beiden größten
Ortschaften am Lago Maggiore, Arona und Verbania, sind per Eisenbahn mit Mailand verbunden, während man für
die Zugreise zum Lago d'Orta ab Novara lokale Züge nehmen muss. Die Autobahn A26 (Voltri-Gravellona Toce)
verläuft zwischen den beiden Seen. Den Lago di Viverone erreicht man auf dem Verbindungsstück der Autobahn A4
(Mailand- Turin) zur A5 (Turin-Aosta).
Prospekt: 



